Transalp.info by Andreas Albrecht

Albrecht-Route Gravel Bike

Fazit: "Originalton" Stephan

Die Alpenüberquerung war für meinen Dad, meinen Kumpel und mich unsere erste größere Fahrradtour. Die Vorfreude war bei uns schon Wochen vorher riesengroß. Zur Vorbereitung und zum Training sind wir im Vorfeld den kompletten Rennsteig gefahren sowie den Brocken hinauf und ein paar Kilometer im Harz. Ich hatte also nicht so viele Trainingskilometer in den Beinen, von daher war die Tour zwar auf alle Fälle sportlich, aber dennoch erholsam. Zudem habe ich von meiner Grundfitness sowie meinem guten gesundheitlichen Zustand zehren können. Auf unserer Route durch die Alpen waren es insgesamt etwas mehr als 9000 Höhenmeter. Das war am Ende genau ausreichend. Bei 11.000 oder 12.000 Höhenmeter wären wir wohl an unsere Grenzen gekommen. So war es angenehm und ein super Aktivurlaub.

Wir sind von Leipzig nach Garmisch mit dem Zug gefahren und hatten uns frühzeitig ICE Tickets inkl. Fahrradmitnahme organisiert. Die Anfahrt war sehr entspannt und unkompliziert. Wir waren gegen 14 Uhr in Garmisch, sind dann noch gemütlich bis Grainau gefahren und haben im Hotel eingecheckt. Ein gemütlicher Besuch abends beim Italiener, letzte Vorbereitungen waren getroffen und wir waren startklar für die erste Etappe.

Am nächsten Morgen sind wir gegen 9.30 Uhr mit viel Freude losgefahren. Die erste Etappe bis nach Imst war relativ kurz und gab so für uns einen guten Einstieg in unsere Alpenüberquerung. Hinauf zum Eibsee waren es gleich zu Beginn rund 600 Höhenmeter, wo wir dann auch schon das erste Mal gemerkt hatten, dass die Fahrt bis zum Gardasee keine Leipziger Flachetappe wird.

Mit dem Gravelbike war die Tour sehr schön zu fahren. Ich hatte erst ca. 3 Monate Erfahrungen mit dem Bike gesammelt. Die Anstiege kamen mir etwas einfacher vor als mit einem MTB, dafür musste ich die Abfahrten oftmals mit angezogener Handbremse fahren, um die Balance und das Pannenrisiko so gering wie möglich zu halten. Der Spaßfaktor blieb bei den Abfahrten deswegen leider etwas auf der Strecke. Rückblickend ist das wohl das einzige Manko, wenn man mit einem Gravel- statt mit einem Mountainbike unterwegs ist. Wir hatten zum Glück auf der gesamten Tour nicht eine Panne, von daher war alles schick.

Als Radtour-Neulinge waren die ersten beiden Tage zum Eingewöhnen, bevor uns drei schwere Etappen bevorstanden. An unserem dritten Tag zum Anstieg über den Alpenhauptkamm, über den Pass da Costainas, hat jeder ein bisschen mit sich gekämpft, um die Herausforderung zu meistern. Jeder musste sein eigenes Tempo finden, um den Gipfel auf 2251 Höhenmeter zu erklimmen. Es war an dem Tag auch nicht zu heiß und somit nicht zu kräftezehrend. Eine schöne lange Abfahrt hinunter zum Hotel Al Rom in Tschierv rundete die bis dahin schwerste Tagestour ab.

Am nächsten Tag sind wir früh in Richtung Grosio losgefahren und hatten absolutes Königswetter. Die Auffahrt zum Döss Radond war schon sportlich, aber belohnt wurden wir dann anschließend mit dem Val Mora, ein L- förmiges Tal, welches wunderschön war. Bei der Abfahrt mussten wir uns ordentlich konzentrieren, weil es teilweise recht schmale Wege entlang ging. Trotzdem war alles mit dem Gravel Bike problemlos fahrbar. Mit dem MTB hätte man aber definitiv mehr Spaß gehabt.. Die Serpentinenabfahrt (Asphalt) nach Bormio war dann einfach spektakulär. Gefühlt sind wir eine halbe Stunde mit 60 km/h hinunter geracet und unsere Bremsen haben anschließend ordentlich geglüht. Anschließend sind wir noch ca. 30 km bei teils unangenehmem Gegenwind bis nach Grosio zum Hotel Sassella gefahren.

Die fünfte Tagesetappe startete gleich mit ca. 1000 hm. 20 bis 30 Minuten nach dem Start hatte es zu regnen angefangen mit teilweise leichtem Gewitter. Ca. zwei Stunden hat es gedauert, bis wir durch die Wolkendecke fuhren und den Regen hinter uns gelassen haben. Während des Anstiegs haben uns immer wieder mal ein paar Rennradler überholt, da der Aufstieg mit 10 bis 19 Prozent Steigung für uns sehr anspruchsvoll war. Es war dann allerdings ein cooles Gefühl, oben am Pass angekommen zu sein und die Glücksgefühle sind teilweise unbeschreiblich. Die weitere Fahrt bis Ponte di Legno war auch schön, eher ein lockeres Ausrollen. Nach der Ankunft im Hotel resümierten wir bei einem schönen leckeren Espresso die letzten Tage und die Vorfreude auf den Gardasee stieg allmählich. Wir waren auch alle froh, dass nur noch 2 Etappen vor uns lagen.

Am nächsten Tag starteten wir früh am Morgen zum Passo Tonale bei leichtem Regen und Nebelschauern. Nebenstraßen rauf zum Pass gab es nicht, sodass wir meist auf einer Hauptstraße fahren mussten. Am Gipfel des Passes war es dann etwas bewölkt, dennoch hatten wir traumhafte Ausblicke. Die Abfahrt vom Passo Tonale war für mich die schwerste Abfahrt, die ich zu bewältigen hatte. Sehr holprig, steinig und viele Wurzeln, etwas tricky und herausfordernd, aber ohne Sturz absolviert. In Dimaro haben wir noch einmal eine Pause eingelegt und uns mental auf den Schlussanstieg nach Madonna di Campiglio vorbereitet. Von uns hatte keiner vermutet, dass der Anstieg nochmal so hart und kräftezehrend sein würde. Der Anstieg ging durch einen Wald, der Untergrund war recht feucht und somit sehr weich. Alternativ hätte man auch eine vielbefahrene Straße nach Madonna wählen können. Wir hatten aber noch ausreichend Körner in den Beinen und landeten gegen 18 Uhr in Madonna. An dem Tag ging jeder von uns an sein Limit und darüber hinaus. Die Anstrengung im Zielort war aber bald verflogen, denn der Gardasee war schon in greifbarer Nähe.

Am nächsten Morgen sind wir zur letzten Etappe Richtung Gardasee frühzeitig aufgebrochen. An dem Tag haben wir uns etwas Zeit gelassen und die Tour noch einmal in vollen Zügen genossen. Am Ende waren es dennoch über 70 Kilometer, die wir insgesamt gefahren sind. Nachdem wir den Bärenpass absolviert hatten, waren wir gedanklich schon darauf eingestellt, dass es nur noch bergab zum Gardasee geht und wir es geschafft haben. Wir hatten jedoch unwissentlich die etwas schwerere Tour über den Passo Ballino genommen, so dass wir nach dem Bärenpass nochmal ca. 600 bis 700 Höhenmeter auf dem Navi stehen hatten. Nach Stenico hätte man auch über das Sarcatal eine leichtere Variante gehabt. Mit viel Stolz, Freude und Glücksgefühlen sind wir dann gegen 18 Uhr am Gardasee angekommen und haben uns ein wohlverdientes Bier gegönnt.

Nach einem zusätzlichen Urlaubstag am Gardasee, ging es Freitag früh gemütlich von Rovereto (20 km vom Gardasee entfernt) mit dem Zug wieder in die Heimat. Nach 8,5 Stunden Zugfahrt (1x Umstieg in München) sind wir dann sehr erholt zu Hause angekommen. Die Hin- und Rückfahrt per Zug würde ich immer wieder so machen und kann es daher auch so weiterempfehlen bzw. ans Herz legen. Früh genug inkl. Fahrradmitnahme buchen und man hat auf beiden Strecken eine entspannte bzw. erholsame Zeit.

Abschließend lässt sich sagen, es waren richtig schöne Tage mit vielen Emotionen, Erlebnissen und unvergesslichen Ausblicken. Ich habe es nie bereut (auch nicht als wir die Quälerei hinauf auf die Gipfel hatten) dich, lieber Andreas, kontaktiert zu haben, um eine Albrecht-Route per Gravel Bike in Angriff zu nehmen. Zudem hat es uns sehr gefreut und geholfen, dass du uns am Rennsteig einen halben Tag begleitet hast. Da waren nochmal viele wertvolle Tipps dabei. Daher nochmals ganz liebe Grüße und einen herzlichen Dank für deine Unterstützung vor, während und nach der Tour.


Bitte, gerne!


Am Rennsteigbeginn an der Werra in Hörschel

Am Rennsteigbeginn an der Werra in Hörschel


Magischer Ort am Rennsteig - Glöckner bei Ruhla

Magischer Ort am Rennsteig: Glöckner